Erst wenn wir strahlende Kinderaugen sehen,
sind wir mit unserer Arbeit zufrieden!“

Zitat von Dr. Aref Latif, Chefarzt Gynäkologie des Krankenhauses Maria Hilf in Brilon

Konzept, Ablauf, Durchführung

  1. Programm
  2. Partner
  3. Kosten
  4. Evaluation, Zahlen, Auswirkungen
  5. Perspektive 2015

 

 


Die Briloner Initiative
fand bundesweite
Beachtung mit einer Berichterstattung
in der Zeitschrift „Eltern“
und  in der Zeitschrift
„Spielen und Lernen“.
In den Fachzeitschriften
und auf Kongressen
zum Thema Lesen
und Bibliothek wurde
ausführlich über
das Projekt berichtet.



 

1. Konzept, Ablauf, Durchführung

Im Jahr 2005 führte die Stadtbibliothek Brilon in mehreren Grundschulen eine Umfrage zum Leseverhalten und Buchbesitz durch. In einer Klasse einer Briloner Grundschule besaßen von 25 Kindern nur 10 Kinder ein eigenes Buch.
Auf der Grundlage dieser Umfrage hat die Stadtbibliothek Brilon das Konzept der Briloner Bücherbabys entwickelt.

Die Initiative „Briloner Bücherbabys – ein guter Start für jedes Kind“ unterstützt  Eltern dabei, den frühen Umgang mit dem Buch für Kinder zu fördern. Mütter, die im Krankenhaus Maria Hilf in Brilon ein Kind zur Welt gebracht haben, erhalten beim Entlassungsgespräch von der Kinderkrankenschwester ein Lesestart-Paket der Stadtbibliothek Brilon.

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Dr. Latif mit seinem Team im Jahr 2009

Die britische Kampagne „Bookstart“ ist das Vorbild des Briloner Projektes und ein herausragendes Beispiel für eine umfassende und nachhaltige Frühförderung von Kindern im Bereich der Sprach- und Leseförderung
(www.bookstart.co.uk).
Das britische Projekt ist eines der weltweit ersten „Books for Babies“ Initiativen, die vom englischen „Booktrust“- Verein (www.booktrust.org.uk) 1992 in Birmingham ins Leben gerufen wurde, und die flächendeckend in Großbritannien arbeitet.  Im Rahmen des Projektes werden 3 Lesestart-Pakete in der Vorschulzeit an Eltern herausgegeben.

Bookstart und auch die Briloner Initiative will Eltern und ErzieherInnen ermuntern, Kinder frühzeitig an Bücher und Lesen heranzuführen. Die Initiative geht davon aus, dass mit dem Vorlesen und Betrachten von Büchern nicht früh genug angefangen werden kann. Hier werden Grundlagen für lebenslange Lesefreude, vielfältige Lernchancen und kulturelles Interesse gelegt.

Eine wissenschaftliche Begleitstudie zum Bookstart-Projekt belegt, dass Bookstart-Kinder im Vergleich zu Kindern, deren Eltern keine Lesestart-Pakete erhalten haben, bessere sprachliche, mathematische und soziale Leistungen bei der Einschulung bringen. (Quelle: [1] Bookstart - a qualitative evaluation / Maggie Moore & Barrie Wade (2003)  Educational Review, vol. 55, no. 1, pp. 3-13)

Die Briloner Bücherbaby-Aktion hat folgende Ziele:

  • Die Lese- und Medienkompetenz von Briloner Kindern soll durch Elterninformation langfristig gesteigert werden.
  • Familien aus „bildungsfernen“ Schichten und mit Migrationshintergrund sollen für das Lesen und den Besuch der Bibliothek sensibilisiert werden.
  • Bücher sollen als Alltagsmedium in die Familien eingeführt werden.
  • Das Vorlesen soll sich als Ritual in den Familien etablieren.
  • Bücher sollen sich im Kleinkindbereich als selbstverständliches Spielzeug etablieren. Spaß an Büchern und am Lesen soll als Gemeinschaftserlebnis gefördert werden. Bibliotheken sollen als Partner der Leseförderung etabliert werden. Hemmschwellen für einen späteren Bibliotheksbesuch sollen abgebaut werden. Familien sollen als Bibliothekskunden gewonnen werden.

Am 1.1.2006 startete die Aktion. Frau Schmücker mit ihrem Sohn Clemens erhielt aus den Händen der Kinderkrankenschwester und der Hebamme das erste Lesestart-Paket der Bücherbaby-Aktion.



Das Lesestart-Paket der Bücherbaby-Aktion enthält:

  • ein Bilderbuch
  • eine Leselatte
  • eine Infobroschüre:


Da die türkische Bevölkerung die größte Migratengruppe in Brilon darstellt, entwickelte die Stadtbibliothek Brilon im April 2006 ein zweisprachiges Lesestart-Paket, das eine türkischsprachige Broschüre und eine deutsch-türkische Leselatte enthält.


Hier überreicht Dr. Aref Latif das erste Paket an eine türkische Mutter.

2009 wurde das Design des Startpaketes überarbeitet.

medienmeter

Mütter, die ein zweites Kind in Brilon zur Welt bringen, erhalten ebenfalls ein Lesestart-Paket. Das enthält neben einem Bilderbuch das Briloner Medienmeter, das Eltern wertvolle Tipps und Hinweise zur Medienerziehung ihrer Kinder gibt.

2. Programme Fotowettbewerb „Lesende Babys“ und Schulung von Vorlesepaten

In den Jahren 2006, 2007 und 2010 wurden Fotowettbewerbe unter dem Motto „Lesende Babys“ ausgeschrieben. Über 400 Wettbewerbsbeiträge aus der gesamten Bundesrepublik erhielt die Stadtbibliothek.
Hier eine kleine Galerie von Schnappschüssen:

   

   


Von 2006 bis 2014 wurden 17 Workshops durchgeführt, in denen über 270 Frauen und Männer geschult wurden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Jahr 2007


Einsatz im Kindergarten-Vorlesezelt

3. Partner im Projekt

Die Stadtbibliothek Brilon ist Projektträgerin. Hauptsponsor des Projektes ist die Sparkasse Hochsauerland. Die Accumulatorenwerke Hoppecke haben sich ebenfalls finanziell am Projekt beteiligt. Wichtiger Projektpartner ist das Krankenhaus Maria Hilf in Brilon, das sowohl finanziell wie personell eingebunden ist.

Ohne das Engagement der Säuglingsschwestern im Briloner Krankenhaus könnte das Projekt in seiner besonderen Art nicht funktionieren.

Die Stiftung Lesen ist Schirmherrin des Projektes.

4. Kosten

Kosten in den Jahren 2012 bis 2013: 14.117,55 €

Gesamt:                                                                         59.015,10 €

In dieser Aufstellung sind die Kosten für die Vorlesepatenseminare und für die Ausrichtung der Siegerehrungen der Fotowettbewerbe nicht enthalten. Die Kosten sind im Wesentlichen entstanden für die grafische Gestaltung und den Druck der Medien, den Ankauf von hochwertigen Bilderbüchern, der Leselatte und Taschen.

5. Zahlen – Evaluation - Auswirkungen

Um die Initiative im kleinen Rahmen evaluieren zu können, arbeitete die Stadtbibliothek mit den Hebammen im Briloner Krankenhaus und den in Brilon ansässigen Hebammenpraxen zusammen. Bei den Rückbildungskursen, die die jungen Mütter nach der Geburt der Kinder besuchen, erhielten alle Frauen Fragebögen zum Projekt. Über 90 % der befragten Mütter fanden das Lesestart-Paket sehr gut. Über 2/3 der Frauen gaben an, dass sie durch diese Aktion angeregt worden sind, sich intensiver und früher um Sprach- und Leseförderung ihrer Kinder zu kümmern. Es gab vereinzelt kritische Rückmeldungen zum frühen Zeitpunkt der Aktion.

 

Ausgabe von Bücherbaby-Start-Paketen in den Jahren 2006 bis 2013

Jahr

Anzahl

2006

506

2007

519

2008

404

2009

548

2010

515

2011 484
2012 487
2013 506

Insgesamt hat die Initiative im Zeitraum von 2006 bis 2013 insgesamt 3.969 Buchpakete an Eltern herausgegeben.


"Abgesehen davon, dass es natürlich urgemütlich ist, gemeinsam mit Mama oder Papa auf dem Sofa in einem Buch zu blättern, kann ich aus meiner Erfahrung folgendes sagen: Gerade in der heutigen Zeit, in der in den Familien nachweislich viel weniger kommuniziert wird als früher, fördert das Vor-Lesen und Selbst-Lesen von Büchern die Kinder in besonderer Weise. Ihr Wortschatz erweitert sich wie von selbst. Sie hören oder lesen die Texte und lernen dabei Aussprache, Satzbildung, Grammatik und erlangen jede Menge Wissen auch auf Gebieten außerhalb ihres Alltags. Einfacher und schöner lernen geht eigentlich nicht!"


(Michael Ecken, Kinderarzt in Brilon)

6. Auszeichnungen, Medienwirkungen

Durch die Modellhaftigkeit des Projektes „Briloner Bücherbabys – ein guter Start für jedes Kind“ für die gesamte Bundesrepublik hatte die Aktion eine sehr große Medien- und Außenwirkung. Es wurden Artikel publiziert in den regionalen Zeitungen, in Elternzeitschriften und in bibliothekarischen Fachzeitschriften. Der WDR dokumentierte das Projekt zum einen für ein Kulturmagazin und zum anderen für die Lokalzeit.  2006 wurde die Aktion im Rahmen der Initiative „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Die größte Aufmerksamkeit erreichte das Projekt bei einem Kulturfrühstück des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, zu dem die Leiterin der Stadtbibliothek Brilon eingeladen war. Ute Hachmann konnte im Rahmen dieses Frühstücks die Briloner Initiative vorstellen und Herrn Köhler ein Lesestart-Paket übergeben.

Herr Köhler kam in Begleitung des ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes NRW Jürgen Rüttgers und des ehemaligen Ministers Uhlenberg im Jahr 2008 zu Besuch nach Brilon und informierte sich in der Stadtbibliothek über diese Aktion. 


Ute Hachmann, Leiterin der Stadtbibliothek Brilon,
begrüßt Horst Köhler.


Rüttgers, Köhler, Uhlenberg und Hachmann

Die Briloner Initiative hat sehr schnell bundesweit Nachfolger gefunden. Bibliotheken aus der gesamten Bundesrepublik informierten sich immer wieder in Brilon über die Gesamtkonzeption.

6. Perspektive 2015

Die Aktion wird für weitere 3 Jahren von 2015 bis 2017 fortgesetzt.









































  Konzept und Entwicklung: Stadtbibliothek Brilon | Gartenstr. 13 | 59929 Brilon | Ute Hachmann | Telefon: 0 29 61 / 79 44 60